Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Die Wahl des Zeitpunkts, an dem man sich bei einem psychischen oder emotionalen Problem um Hilfe bemühen sollte, bleibt der persönlichen Entscheidung vorbehalten und hängt vom Schweregrad und der Dauer der vorhandenen Symptome und Beschwerden ab.

Psychiater und Psychotherapeuten stimmen im Allgemeinen überein, dass eine professionelle Begutachtung und Behandlung in Betracht gezogen werden sollte, wenn bestimmte Arten von Gedanken, Gefühlen oder Handlungen auftreten. Diese im folgenden durch Beispiele umschriebenen Gedanken, Gefühle und Handlungen zeigen an, dass professionelle Hilfe angebracht sein könnte, in der Regel sind allerdings keine Notfallmaßnahmen erforderlich.



Eine emotionale oder psychische Schwierigkeit veranlasst Sie, einen wichtigen Aspekt Ihres Lebens zu verändern.

Beispiele:
(1) Sie gehen nicht mehr mit Freunden aus, weil Ihre Gedanken ständig zu einem Problem zurückkehren, das Sie offenbar nicht zu lösen vermögen.
(2) Sie merken, dass Sie sich von Ihren Angehörigen oder Freunden zurückziehen, weil Sie unerklärlicherweise wütend auf sie sind.
(3) Sie melden sich in Ihrer Firma krank, weil es Ihnen schwer fällt, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
(4) Sie haben beschlossen, die Schule bzw. Ihr Studium abzubrechen, weil Sie sich dem sozialen Druck bzw. der Konkurrenz nicht gewachsen fühlen.
(5) Sie benutzen Ihr Auto nicht mehr, weil Sie am Steuer manchmal in Panik geraten.


Sie sind generell unzufrieden mit sich selbst.

Beispiele:
(1) Sie hassen sich selbst, weil Sie sich dick oder hässlich finden.
(2) Sie haben das Gefühl, dass Sie in bestimmten Bereichen Ihres Lebens erfolgreicher sein sollten, aber aus irgendeinem Grund gelingt es Ihnen nicht.
(3) Sie fühlen sich einsam und isoliert und Sie wissen nicht, warum Sie es nicht schaffen, mit anderen in Kontakt zu treten.
(4) Sie empfinden wegen mancher Ihrer Gedanken, Gefühle oder Handlungen gegenüber anderen ständig Schuldgefühle oder Scham.
(5) Sie schaffen es nicht. Ihre Gefühle oder Wünsche zu äußern.
(6) Sie wünschen sich, dass Sie nicht immer so nervös wären.


Sie fühlen sich generell unzufrieden mit dem Leben oder mit anderen.

Beispiele:
(1) Die Leute, die Sie kennen lernen, scheinen immer besser dran zu sein als Sie selbst.
(2) Unternehmungen, die Ihnen bisher großes Vergnügen bereiteten, machen Ihnen keinen Spaß mehr.
(3) Das Leben scheint keinen Sinn oder Zweck mehr zu haben, und Sie machen sich keine große Hoffnung, dass sich das je ändert.
(4) Sie haben das Gefühl, mit den Menschen um Sie herum oder mit dem Leben insgesamt den Kontakt verloren zu haben.
(5) Leute werfen Ihnen immer wieder Dinge vor, an denen Sie selbst sich schuldlos fanden.
(6) Sie empfinden Ihr Leben als zu belastend und fühlen sich nicht mehr im Stande, es zu meistern.
(7) Sie haben das Gefühl, die Kontrolle über Ihre Gewohnheiten oder Handlungen zu verlieren.
(8) Sie ärgern sich über Ihre Ärzte, die Ihnen ständig versichern Ihre körperlichen Symptome hätten keine organische Basis.


Sie sind unglücklich über Ihre Beziehungen.

Beispiele:
(1) Sie scheinen immer in Beziehungen zu Menschen zu geraten, die Sie verletzen oder ausnutzen.
(2) Es gelingt Ihnen offenbar nicht, anderen wirklich Nahe zukommen oder mit Ihnen vertraut zu werden.
(3) Sie und Ihr Partner schaffen es nicht, eine in sexueller und anderer Hinsicht befriedigende Beziehung aufzubauen.
(4) Sie sind in Beziehungen niemals lange glücklich.
(5) Sie machen sich ständig so viele Sorgen oder sind so launenhaft, dass niemand mehr Ihre Nähe sucht.


Sie befürchten, dass Ihr Alkohol- bzw. Drogenkonsum außer Kontrolle gerät.

Beispiele:
(1) Sie beginnen schon frühmorgens zu trinken.
(2) Sie fahren Auto unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.
(3) Sie bitten Ihren Hausarzt wiederholt um immer mehr Schlaftabletten bzw. Tranquilizer.
(4) Nahestehende Personen erklären Ihnen, Sie hätten ein Alkohol- oder Drogenproblem, und Sie reagieren mit Verärgerung.


Sie haben Dinge gehört, gesehen oder gespürt, die andere Menschen für unmöglich erklären.

Beispiele:
(1) Wenn Sie allein sind, hören Sie manchmal Stimmen, die Ihnen Ratschläge erteilen.
(2) Gelegentlich erscheinen Ihnen verstorbene Verwandte.
(3) Sie nehmen schlechte Gerüche wahr, von denen andere nichts bemerken.
(4) Sie verspüren ein sonderbares Kribbeln auf der Haut, als ob Insekten darauf oder darunter herumkrabbeln.


Sie glauben fest an etwas, aber wenn andere Leute das als falsch bezeichnen, können Sie von Ihrer Idee nicht ablassen, oder Sie verwickeln sich in Streitigkeiten darüber.

Beispiele:
(1) Sie glauben, ein Schauspieler übermittle Ihnen durch den Dialog in einem Film intime Botschaften, obwohl Sie den Schauspieler gar nicht persönlich kennen.
(2) Sie sind überzeugt, dass jemand Ihr Wesen vergiftet, obwohl Ihr Hausarzt Sie für körperlich gesund erklärt.
(3) Sie sind überzeugt, dass Ihr Mann/Ihre Frau eine Affäre hat, obwohl Ihnen andere oder sogar ein eingeschalteter Privatdetektiv das Gegenteil versichern.